Was ist Psychoanalyse?

Die Psychoanalyse ist eine von Sigmund Freud begründete Disziplin, in der man drei Ebenen unterscheiden kann:

 

1. Eine Methode zur Untersuchung unbewußter seelischer Vorgänge, welche sich in Reden, Handlungen, Träumen, Phantasien, Wahnvorstellungen usw. manifestieren. Diese Methode gründet sich hauptsächlich auf die Verwendung des freien Einfalls, um Material zu erhalten. Die psychoanalytische Deutung kann sich auf menschliche Produktionen erstrecken, für die man nicht über freie Assoziationen verfügt.

 

2. Eine psychotherapeutische Behandlungsmethode, die auf diese Untersuchung gegründet ist und die durch Deutung des Widerstandes, der Übertragung und der unbewussten Phantasie gekennzeichnet ist. „Die Arbeit, durch welche wir dem Kranken das verdrängte Seelische in ihm zum Bewußtsein bringen, haben wir Psychoanalyse genannt.“ (Sigmund Freud, 1918).

 

3. Eine Gesamtheit psychologischer und psychopathologischer Theorien, durch die Gegebenheiten der psychoanalytischen Untersuchungsmethode und die Behandlung systematisiert werden.
 

Wie heilt Psychoanalyse?

Die psychoanalytische Behandlung beruht auf der Erfahrung und wissenschaftlichen Erforschung, dass unbewußte Konflikte das menschliche Erleben, Denken und Handeln wesentlich bestimmen. Wer kennt es nicht, daß ein scheinbar unsinniges oder den eigentlichen Wünschen zuwiderlaufendes Verhalten nicht durch bewusste Vorsätze verändert werden kann, trotz nachhaltiger, negativer Folgen wie Beziehungs- und Arbeitsproblemen, körperlichen Beschwerden oder negativen Gefühlen.
In der psychoanalytischen Behandlung ist es möglich, ein Verständnis zu entwickeln für die Dynamik quälender Ängste, Scham oder Schuldgefühl, schwer beherrschbare Wut, Depressionen, Essstörungen u.a.m. So kann es zu einer Weiterentwicklung und Veränderung der Persönlichkeitsstruktur und infolgedessen zu einer Reduktion der Symptomatik und einer anhaltenden und grundlegenden Verbesserung des psychischen Befindens und der emotionalen Möglichkeiten im Umgang mit psychischen Konflikten kommen.

 

Für wen eignet sich eine psychoanalytische Behandlung?

Grundsätzlich eignet sich ein psychoanalytisches Verfahren für Personen, die aus dem psychischen Gleichgewicht geraten sind und oft trotz Erfolges in einigen Bereichen des Lebens unter länger anhaltenden Symptomen leiden (Angst, Depression, Zwang, sexuelle Störungen, Insuffizienzgefühle, psychisch bedingte körperliche Beschwerden...) oder unter immer wieder auftretenden, durch eigenes Verhalten hervorgerufenen, aber nicht selber beeinflussbaren Beziehungs- und Arbeitsschwierigkeiten.
Wenn Sie wissen möchten, ob ein psychoanalytisches Verfahren für Ihre individuelle Problematik indiziert ist, empfiehlt es sich, eine/n Psychoanalytiker/in für ein Erstgespräch aufzusuchen. Sie können sich zur Beratung auch an das Wiener Psychoanalytische Ambulatorium wenden.

 

Wie laufen Psychoanalyse-Sitzungen ab?
Die PatientInnen liegen auf der Couch (im 2-stündigen Setting sitzen sie der/dem Analytiker/in gegenüber) und versuchen alles zu sagen, was ihnen in den Sinn kommt. Die Analytiker/innen, die hinter der Couch sitzen, nehmen mit gleichschwebender Aufmerksamkeit alles auf, was zum Ausdruck gebracht wird, reflektieren die dabei entstehenden Gedanken und Gefühle und bringen diese zur gegebenen Zeit ein. Das hochfrequente, regelmäßige Setting bietet den nötigen Raum und Halt, der Grundvoraussetzung für die Entwicklung eines psychischen Prozesses ist, in dem sich unbewußte Dynamiken entfalten und so dem Bewußtsein zugänglich gemacht werden können. Die Integration abgewehrter ängstigender, schmerzhafter Gefühle und abgespaltener Persönlichkeitsanteile ermöglicht schließlich eine Gesundung, das Gefühl von lebensgeschichtlicher Kontinuität und einen flexibleren Umgang mit den Anforderungen des Lebens.

 

Gibt es eine Altersbegrenzung?
Anders als zu Zeiten Sigmund Freuds geht man heute davon aus, daß auch ältere Personen von einer psychoanalytischen Behandlung profitieren können. Die Methode kann das Erleben und Bewältigen von Gefühlen der Trauer über den Verlust von Möglichkeiten im Leben unterstützen und damit ein kreatives Potential wieder herstellen und erhalten. Ob dies möglich ist, hängt weniger vom Alter ab als von der jeweiligen Fähigkeit zur Reflexion und der Bereitschaft, sich mit inneren Prozessen auseinanderzusetzen.

 

Wie lange dauert eine psychoanalytische Behandlung?
Erfahrungsgemäß dauert eine psychoanalytische Behandlung fünf und mehr Jahre. Das Unbewußte lässt sich nicht gewaltsam entdecken, sondern nur über einen zeitaufwendigen Prozess entwickeln. Belohnt wird die Mühe jedoch durch eine nachhaltige Veränderung.

 

Wie viel kostet eine psychoanalytische Behandlung?
Die Honorare sind unterschiedlich und belaufen sich auf etwa € 50,- bis € 100,- pro Sitzung. 

Es besteht die Möglichkeit einen Zuschuss zu den Behandlungskosten bei der Krankenversicherung zu beantragen. Wird dieser bewilligt, wird pro Sitzung meist ein Betrag von ca. € 22,- (bei nichtärztlichen TherapeutInnen) und € 51,- (bei fachärztlichen PsychotherapeutInnen) rückerstattet.
Für sozial schlechter gestellte Personen gibt es eine begrenzte Anzahl von Behandlungsplätzen im Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium und eine begrenzte Anzahl von Kassenplätzen bei niedergelassen PsychoanalytikerInnen.