Anna Freud Vorlesung 2017

„Und haben fast die Sprache in der Fremde verloren“: Bedrohung und Rettung seelischer Repräsentation in psychoanalytischer Perspektive
Prof. Dr. Joachim Küchenhoff

 

Wann: 10.November 2017 um  20.15h
Ort: Hörsaal A, Universitätsklinik für Psychiatrie,
        Klinik im Südgarten

 

Das Zitat des Titels ist der zweiten und dritten Zeile des Hölderlins Gedicht „Mnemosyne“ entnommen. In dichtester Form fassen sie einige Punkte zusammen, um die es in meiner Vorlesung gehen soll. „fast“ geht die Sprache verloren, aber nicht vollends! Psychoanalytische Konzepte der Gegenwart, die sich der wichtigen Frage der Repräsentation psychischer Erfahrungen widmen, gehen oft vom Verlust der Repräsentation in schwerer seelischer Krankheit aus – dann aber wäre die Sprache vollends verloren. Mit Hölderlin will ich hingegen auf dem „fast“ bestehen und mich dabei auf die Möglichkeiten, psychosomatische und psychotische Erlebnisformen zu verstehen, beziehen. Wenn die Sprache „in der Fremde“ gefährdet ist, dann spielt der/die Andere, der/die sich ent-fremdet und mit allen Sinnen die vom Leidenden ausgehenden Zeichen aufgreift und deutet („Ein Zeichen sind wir, deutungslos“- so lauten die ersten beiden Zeilen des Gedichts), eine große Rolle in der Bewahrung und Rettung des Sprechens. Es ist das Privileg der Psychoanalyse, die Fähigkeit, mit dem „dritten Ohr“ zu hören, entwickeln und zum Wohle des Leidenden einsetzen zu können.

 

Zur Person
Prof. Dr. med. Joachim Küchenhoff, Psychoanalytiker (IPA),  Professor für Psychiatrie und Psychotherapie  an der Universität Basel und Direktor der Erwachsenenpsychiatrie Basel-Land.

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